Lab: "Mediengesellschaft und digitale Praktiken"

Leiter: Prof. Dr. Christian Pentzold

Mitglieder: Christopher Markus Brinkmann, Denise Fechner, Lena Fölsche, Jeannine Teichert

Das Lab „Mediengesellschaft und digitale Praktiken“ befasst sich mit der Konstitution und dem gegenwärtigen Wandel medienbezogener Praxisformen in ihren sozialen, kulturellen und regulatorischen Kontexten. Hierbei geht es zum einen um die Herstellung und Aneignung digitaler vernetzter Medientechnologien und Kommunikationsformen, zum anderen um die Methodenentwicklung der empirischen Medien- und Kommunikationsforschung mit digitalen
Daten und digitalen Methoden.

Projekte:

Digitale außerschulische lern- und bildungsbezogene Handlungspraxen von Jugendlichen. Verbundprojekt. Förderung durch das BMBF (2018-2021). Kooperation mit dem ZeMKI-Lab Medienbildung und Bildungsmedien.

Das Verbundprojekt „Digitale außerschulische lern- und bildungsbezogene Handlungspraxen von Jugendlichen“ untersucht in vier Teilprojekten interdisziplinär und triangulativ digitale außerschulische lern- und bildungsbezogene Handlungspraxen von Jugendlichen, bezogen sowohl auf schulisch-curriculare Gegenstände und persönliche Berufsorientierung als auch auf den Erwerb von interessensbasiertem Wissen und Kenntnissen/Lernprojekten in der Freizeit. Die Zusammenstellung des Projektverbundes mit Mitgliedern aus Allgemeiner Didaktik, Medienpädagogik, Kommunikations- und Medienwissenschaft und Fachdidaktik ermöglicht einen umfassenden Blick auf Erklärvideos und Tutorials, wie sie insbesondere auf YouTube zu finden sind und von Jugendlichen in großem Umfang und nahezu alltäglich genutzt werden. Ergänzend werden inhalts- und lernspezifische Medien- und Kommunikationsrepertoires untersucht, um die Vielfalt der individuellen und gemeinschaftlichen Praxen Jugendlicher beim außerschulischen Lernen (Selbstexpertisierung) zu beschreiben und zu analysieren.

Die Zukunft im Datenjournalismus. Förderung der Zentralen Forschungsförderung und der Alexander von Humboldt Stiftung (2018-2021). Mitarbeit: Denise Fechner.

Das Fokusprojekt untersucht, auf welche Weise im Journalismus digitale Daten und algorithmische Analysen genutzt werden, um zukünftig Szenarien abzusehen, zu entwerfen und zu bewerten. Damit betritt es Neuland im Verstehen der komplexen zeitlichen Orientierungen datafizierter Kommunikation in Gegenwartsgesellschaften.

Die öffentliche Verhandlung von Big Data in politischen Kampagnen. Förderung durch das BMBF im Rahmen des ABIDA-Verbundprojektes  (2017-2018). Mitarbeit: Lena Fölsche.

In dem Gutachten werden die datenbasierten Abbildungsverhältnisse, Regulierungsabsichten und Repräsentationsbeziehungen in der Wahlkampfberichterstattung in Deutschland, Großbritannien und den USA rekonstruiert. Die Verfügbarkeit und Auswertung großer Datensätze, das Entdecken neuer Muster und das Verfolgen sozialer Prozesse in Echtzeit kann beeinflussen, so die ambivalenten Erwartungen in diesem exponierten Anwendungs- und Forschungsfeld politischer Kampagnen, wie das Politische und das Soziale gedacht, verstanden und gesteuert werden können. Entsprechend bearbeitet das Gutachten Big Data-basierte politische Praktiken und diskursive Zuschreibungen in ländervergleichender Perspektive. Genutzt wird dabei ein qualitativ-verstehendes methodisches Design. Es erfasst, welche Bedeutung und welche Bedeutsamkeit Daten in Wahlkampfaktivitäten zugeschrieben werden. Die gefundenen Ergebnisse werden im Gutachten abschließend zusammengefasst, konzeptionell bewertet und es werden auf dieser Basis Handlungsempfehlungen aufgestellt.

Kommunikationswissenschaftliche Erinnerungsforschung: Grundlagen, Arbeitsfelder und Perspektiven (2018-2021). Förderung durch die DFG (PE 2436/1-1).

Das Netzwerk hat das Ziel, kommunikationswissenschaftliche Gedächtnis- und Erinnerungsforschung in ihren Grundlagen, ihren Arbeitsfeldern und ihren Perspektiven aufzuarbeiten und weiter zu entwickeln. Dazu unterstützt das Netzwerk eine ortsübergreifende themenbezogene Kooperation. Im Zeitraum von 2018 bis 2021 wird die in unterschiedlichen Bereichen der Kommunikationsforschung und Medienanalyse stattfindende Auseinandersetzung mit kulturellem Gedächtnis und sozialem Erinnern gesichtet, verglichen und als Elemente einer kommunikationswissenschaftlichen Gedächtnis- und Erinnerungsforschung dokumentiert. Dafür ist der fachübergreifende Austausch mit anderen sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen in internationaler Perspektive ein wichtiger Bestandteil des Netzwerks. Mehr Informationen hier.

Crossmediales Wissensmanagement auf kommunaler Ebene. Bürgerbeteiligung, Netzwerke und Kommunikationskultur (2017-2020). Förderung durch den Europäischen Sozialfonds (ESF). Promotionsprojekt von Christopher Brinkmann.

Im Promotionsprojekt wird untersucht, wie und über welche Medien sich Bürgerinnen und Bürger auf kommunaler Ebene informieren sowie unter welchen Voraussetzungen sie ihr Wissen in einen Dialog und Open Innovation-Prozess auf kommunaler Ebene einbringen. Ein weiterer Schwerpunkt wird darauf gelegt, welche Bedeutung Wissen in einer Gesellschaft hat, in der die Ubiquität der Medien das zeit-und ortsunabhängige Abrufen von Informationen ermöglichen. Dafür ist die Analyse der auf kommunaler Ebene relevanten Stakeholder von Bedeutung. So wird betrachtet, über welche Medien die Akteure kommunizieren, welches Wissen sie teilen und über welche Netzwerke sie verbunden sind. Am Ende der Untersuchung stehen zentrale Kriterien, die für die Etablierung eines Wissensmanagementsystems auf kommunaler Ebene zu beachten sind.

Medienkapital. Mediatisierte Positionierungen und Ressourcen in den  zeitgenössischen Kunstfeldern Deutschlands und Großbritanniens  (2017-2020). Teilweise Förderung durch den DAAD. Promotionsprojekt von Lena Fölsche.

In ihrer Dissertation untersucht sie Funktionen und Stellenwert von  Mediennutzung und –präsenz im Feld der bildenden Kunst. Das Kunstfeld eignet sich besonders, um auf Mediennutzung bezogene Aushandlungsprozesse und Konventionen zu erforschen, weil in ihm kreative und teils kritische Zugriffe auf mediatisierte Lebensbedingungen exemplarisch untersucht werden können. Hierzu werden qualitative Leitfadeninterviews mit Akteur*innen der jeweiligen Kunstfelder durchgeführt, also mit Künstler*innen, Galerist*innen, Berater*innen und Lehrenden an Kunsthochschulen. Die Studie vergleicht dabei Kunstfelder in Deutschland und Großbritannien unter feldtheoretischer Perspektive. Hierzu wird Bourdieus Klassifizierung der feldstrukturierenden Kapitalsorten – ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital – um die Kategorie des Medienkapitals erweitert.

„Diskurse – digital: Theorien, Methoden, Fallstudien“ (2016-2019). Gefördert durch die DFG.

Die Diskurslinguistik als relativ neue Teildisziplin der germanistischen Linguistik beschäftigt sich mit der Frage, wie soziale Wirklichkeiten in transtextuell organisierten Einheiten konstruiert werden. Bisher finden dabei noch kaum Texte aus digitalen Medien (z.B. aus Facebook, Twitter, Wikipedia) Berücksichtigung. Das geplante Netzwerk vereint WissenschaftlerInnen, die in ihren Projekten an der Analyse digitaler Diskurse arbeiten und dabei digitale Methoden der Korpuslinguistik bzw. Digital Methods nutzen. Ziel des Netzwerks ist es, das Programm und das Methodeninventar der Diskurslinguistik in zwei Richtungen zu erweitern: Zum einen sollen die spezifischen Beschreibungskategorien und Analysewerkzeuge für Diskurse in digitalen Medien (u.a. Links, Hashtags) systematisiert werden. Zum anderen sollen Methoden und Instrumente der Korpuslinguistik und Digital Methods im Hinblick auf die Anforderungen der Diskurslinguistik evaluiert und ausgebaut werden. Dies soll durch Fallstudien, die aus laufenden Projekten der Mitglieder gespeist werden und die durch den Bezug auf gemeinsame Fragestellungen und Schwerpunkte der Arbeitstreffen aufeinander bezogen sind, geleistet werden. Die Ergebnisse werden mit einschlägigen Experten und Kooperationspartnern diskutiert, um digitale Sprachressourcen mit Blick auf die Analyse von digitalen Diskursen bzw. digitalen Analysen von Diskursen auszubauen. Mehr Informationen hier.